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DESY News: Forscherteam entwickelt druckbare Wassersensoren
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Forscherteam entwickelt druckbare Wassersensoren
Ein spanisch-israelisches Forscherteam hat ein ausdruckbares Material entwickelt, das als vielseitiger und robuster Wasserdetektor eingesetzt werden kann. Der Stoff auf Polymerbasis ist günstig, flexibel und ungiftig und ändert seine Farbe in Gegenwart kleiner Mengen Wasser von Violett zu Blau. Mit Hilfe von DESYs Röntgenlichtquelle PETRA III haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Leitung von Pilar Amo-Ocha von der Autonomen Universität Madrid (UAM) die durch Wasser ausgelösten Strukturänderungen in dem Material erkundet, die der beobachteten Farbänderung zugrunde liegen. Die Entwicklung öffne die Tür zur Erzeugung einer neuen Familie 3D-druckbarer funktionaler Materialien, schreibt das Team im Fachblatt „Advanced Functional Materials“.

Der funktionale Teil des neuen Sensormaterials ist ein sogenanntes Koordinationspolymer auf Kupferbasis, eine organische Verbindung mit einem Wassermolekül, das an ein zentrales Kupferatom gebunden ist. „Wenn man die Verbindung auf 60 Grad Celsius erhitzt, ändert sie ihre Farbe von Blau zu Violett“, berichtet Amo-Ocha. „Diese Änderung lässt sich rückgängig machen, indem man das Material an der Luft lässt, in Wasser taucht oder in eine Flüssigkeit mit Spuren von Wasser legt.“ Mit der energiereichen Röntgenstrahlung von DESYs Forschungslichtquelle PETRA III konnte das Team beobachten, dass in den auf 60 Grad erhitzten Proben die Wassermoleküle fehlten, die zuvor an die Kupferatome gebunden waren. Das führt zu einer umkehrbaren strukturellen Neuorganisation des Materials, wodurch es zu der Farbänderung kommt.

Das Sensormaterial kann in unterschiedlichsten Formen gedruckt werden. Die gezeigten Werkstücke sind jeweils etwa einen Zentimeter breit. In Anwesenheit von Wasser, beispielsweise aus der Luftfeuchtigkeit, färbt es sich blau. Bild: UAM, Verónica García Vegas
Wenn das Material durch Erhitzen oder in einer wasserfreien Flüssigkeit getrocknet wird, färbt es sich von Blau wieder zurück nach Violett. Tests zeigten, dass es selbst über viele Erhitzungszyklen stabil bleibt und die kupferbasierten Polymere gleichmäßig in den gedruckten Sensoren verteilt sind. An der Luft bleibt das Material mindestens ein Jahr stabil, ebenso bei biologisch relevanten pH-Werten von 5 bis 7. „Die Vielseitigkeit moderner 3D-Drucktechnik bedeutet darüber hinaus, dass sich diese Sensoren in ganz unterschiedlichen Bereichen einsetzen lassen“, betont Ko-Autor Shlomo Magdassi von der Hebräischen Universität Jerusalem. Das Konzept könne zudem genutzt werden, um weitere derartige funktionale Materialien zu entwickeln.
„In unserer Arbeit präsentieren wir die ersten 3D-gedruckten Verbundobjekte aus einem nicht-porösen Koordinationspolymer“, sagt Ko-Autor Félix Zamora von der Autonomen Universität Madrid. „Das eröffnet die Möglichkeit, die große Familie dieser leicht herzustellenden Verbindungen mit ihren interessanten magnetischen, optischen und elektrischen Eigenschaften für das funktionale 3D-Drucken zu benutzen.“
Die Autonome Universität Madrid, die Hebräische Universität Jerusalem, die Technische Universität Nanyang in Singapur, das Institut für Werkstoffwissenschaften in Madrid und DESY waren an der Studie beteiligt.
Originalveröffentlichung:
3D printing of a thermo- and solvato-chromic composite material based on a Cu(II)- thymine coordination polymer with moisture sensing capabilities; Noelia Maldonado, Verónica G. Vegas, Oded Halevi, Jose Ignacio Martinez, Pooi See Lee Shlomo Magdassi, Michael T. Wharmby, Ana E. Platero-Prats, Consuelo Moreno, Félix Zamora and Pilar Amo-Ochoa; „Advanced Functional Materials“, 2019; DOI: 10.1002/adfm.201808424