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DESY News: Superharte Fenster aus transparenter Keramik
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Meldungen vom Forschungszentrum DESY
Superharte Fenster aus transparenter Keramik
Forscher haben bei DESY ein superhartes Fenster aus einer weit verbreiteten Industriekeramik hergestellt. Es ist das erste durchsichtige Werkstück aus Siliziumnitrid, wie das japanisch-deutsche Team im Fachblatt „Scientific Reports“ berichtet. Fenster aus diesem sogenannten kubischen Siliziumnitrid könnten unter extremen Bedingungen verwendet werden wie sie etwa in Motoren herrschen. Kubisches Siliziumnitrid (c-Si3N4) bildet sich unter hohem Druck und ist die zweithärteste Nanokeramik nach Diamant, kann aber wesentlich höheren Temperaturen standhalten.

Ein etwa zwei Millimeter großes Fenster aus durchsichtigem polykristallinem kubischem Siliziumnitrid, produziert bei DESY. Bild: Norimasa Nishiyama, DESY/Tokyo Tech
Bei einem Druck von mehr als 13 Gigapascal (GPa), das entspricht dem 130 000-fachen Atmosphärendruck, verändert sich die Kristallstruktur von Siliziumnitrid zu einer kubischen Symmetrie, die Experten als Spinell-Typ bezeichnen. Der namensgebende Spinell (MgAl2O4) ist nicht nur ein beliebter Edelstein, in künstlicher Form findet das keramische Material ebenfalls breite Anwendung in der Industrie.

Transmissionselektronenmikroskopaufnahme von kubischem Siliziumnitrid. Die Korngröße beträgt rund 150 Nanomter (millionstel Millimeter). Bild: Norimasa Nishiyama, DESY/Tokyo Tech
Die Analyse der Kristallstruktur an DESYs Röntgenlichtquelle PETRA III zeigte, dass sich das anfangs hexagonale Siliziumnitrid vollständig in die kubische Form umgewandelt hatte. „Die Transformation gleicht der von Kohlenstoff, der ebenfalls eine hexagonale Struktur bei Normalbedingungen besitzt und sich unter Hochdruck in eine kubische Variante namens Diamant umwandelt“, erläutert Nishiyama. „Allerdings hängt die Transparenz von Siliziumnitrid stark von den Korngrenzen ab. Die Undurchsichtigkeit entsteht durch Lücken und Poren zwischen den einzelnen Körnchen.“
Untersuchungen mit einem Transmissions-Rasterelektronenmikroskop an der Universität Tokio zeigten, dass die Hochdruck-Probe des Materials nur sehr dünne Korngrenzen besitzt. „Außerdem verteilen sich in der Hochdruck-Phase Sauerstoff-Verunreinigungen in dem gesamten Material und sammeln sich nicht wie unter Normalbedingungen an den Korngrenzen. Das ist entscheidend für die Transparenz“, sagt Nishiyama.

Das erzeugte polykristalline kubische Siliziumnitrid besitzt nur sehr dünne Korngrenzen von weniger als einem Nanometer, wie diese Transmissionselektronenmikroskopaufnahme einer Dreifachgrenze mit atomarer Auflösung zeigt. Bild: Norimasa Nishiyama, DESY/Tokyo Tech
Wegen des zur Herstellung nötigen hohen Drucks ist die Fenstergröße allerdings aus praktischen Gründen begrenzt. „Das Rohmaterial ist billig, aber für die Produktion transparenter Werkstücke benötigen wir etwa doppelt so viel Druck wie für künstlichen Diamant“, sagt Nishiyama. „Es ist relativ einfach, Fenster mit einem Durchmesser von einem bis fünf Millimeter herzustellen. Aber alles über einem Zentimeter wird schwer zu erreichen sein.“
An der Studie waren auch das Tokyo Institute of Technology, die Universitäten Ehime, Bayreuth und Hirosaki sowie das Japanische Institut für Materialwissenschaften beteiligt.
Originalveröffentlichung:
Transparent polycrystalline cubic silicon nitride; Norimasa Nishiyama et al.; Scientific Reports, 2017; DOI: 10.1038/srep44755