Forschungssicherheit mit Umsicht
Projekt WIKOOP-INFRA endet mit Abschluss-Workshop im Magnus-Haus
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt WIKOOP-INFRA ist nach einer Laufzeit von zweieinhalb Jahren am 29. Februar erfolgreich beendet. Das Projekt, dessen Akronym für „Handlungs- und Orientierungssicherheit in wissenschaftlichen Kooperationen mit China – Untersuchungen an analytischen Forschungsinfrastrukturen“ steht, ist eines der ersten Projekte, das sich mit dem zeitgemäßen Thema Forschungssicherheit beschäftigt hat. Im Mittelpunkt von WIKOOP-INFRA stand dabei stets die Stärkung der Handlungskompetenz der Forschenden und die Ermöglichung internationaler wissenschaftlicher Zusammenarbeit in herausfordernden Zeiten. Hierfür haben die Teammitglieder aus dem DESY-Direktoriumsbüro, dem German Institute for Global and Area Studies (GIGA), dem Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) und dem Helmholtz-Büro Peking mit einer großen Zahl von Stakeholdern aus Wissenschaft, Wissenschaftsadministration, Think Tanks und Behörden zusammengearbeitet. Die Ergebnisse des Projekts sind auf der Projekthomepage zusammengefasst.
Die letzte Amtshandlung von WIKOOP-INFRA war ein Workshop mit knapp 40 Expert:innen, der mit Unterstützung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) am 13. Februar im Magnus-Haus in Berlin stattfand. In seiner Eröffnungsansprache wies DPG-Präsident Joachim Ullrich darauf hin, dass die deutsche Wissenschaft an China nicht vorbeikomme und eine Ablehnung der Kooperation dementsprechend keine sinnvolle Option sei. Mehrere Teilnehmende berichteten von den Vorteilen der Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern, wiesen aber gleichzeitig darauf hin, dass sich die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit in den letzten Monaten, vor allem auch von chinesischer Seite aus, verschlechtert hätten. Vor dem Hintergrund dieser Gemengelage diskutierten die Teilnehmenden die konkreten Felder, die Prinzipien und Herangehensweisen sowie die Voraussetzungen für vorteilhafte Kooperationen mit China.
Die Diskussion erfolgte auf Basis der Projektergebnisse, die auf der Homepage veröffentlicht sind. Hervorzuheben sind hierbei die Präsentationen, einschließlich eines zusammenfassenden Berichts, von den beiden WIKOOP-Helmholtz-CAS Workshops, die in Kooperation mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) im September 2022 und Juni 2023 veranstaltet wurden. Die Workshops bilden den Ausgangspunkt für die sich derzeit formierenden drei Helmholtz-CAS-Arbeitsgruppen zu den Themen Offene Wissenschaft, Forschungsethik sowie Geistiges Eigentum. Ein weiterer Bericht fasst die Ergebnisse der Umfrage zusammen, die im Rahmen des Projekts zu den Einstellungen und Erfahrungen der Forschenden aus den Natur- und Technikwissenschaften zu wissenschaftlichen Kooperationen mit China durchgeführt wurde. In Kürze wird dort noch ein weiterer Bericht zu den Experteninterviews hinzukommen, die mit Blick auf Fragen zu den Handlungsfeldern Außenwissenschaftspolitik, Dual Use, Technologiesouveränität und Chinakompetenz geführt wurden. Ein zentrales Anliegen des Abschluss-Workshops war die Diskussion von Handlungsempfehlungen. Hier hatte das Projekt WIKOOP-INFRA mit vier Policy Briefs, die ebenfalls auf der Homepage zu finden sind, Akzente gesetzt.
Obwohl WIKOOP-INFRA nun abgeschlossen ist, wird das Thema Handlungssicherheit (bzw. Forschungssicherheit) bei DESY und Helmholtz jedoch weiterhin auf der Tagesordnung bleiben – nicht zuletzt durch das im Oktober 2022 gestartete Projekt RESIDE (Research Security in International Cooperations at DESY). „Mit RESIDE wollen wir Strukturen und Prozesse aufbauen und verstetigen, die dafür sorgen, dass sowohl die Forschungsbereiche als auch die administrative Seite des Labors im internationalen Umfeld noch handlungssicherer und verantwortungsbewusster Kooperationen ausgestalten und implementieren können. Die Vorarbeiten und Ergebnisse von WIKOOP-INFRA ziehen wir hierbei gerne mit ein“, so die Projektleiterin Jana Wolfram.